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Bemerkungen zu Síkinos im Mai 2012

Von martinpuc

Ich war von Mi. 23. Mai bis So. 27. Mai auf der ruhigen Kykladeninsel Síkinos nahe Íos.

Anfangs waren maximal 12 Touristen vor Ort, die allermeisten Franzosen. Mit der Zeit wurden es immer weniger, da mehr abreisten als ankamen. Wenn mal tatsächlich ein neues Paar ankam, war das schon erfreulich.
Höchstens zwei deutschsprachige Paare habe ich gesehen, schätze ich mal. Gehört habe ich kein Deutsch, gesprochen nur Griechisch.

Wer konnte, suchte Unterkunft im „Loukás“ unten in Aloprónia. Ich war der Einzige, der nach dem Verlassen der Fähre („Ártemis“) gleich auf den Bus zusteuerte und sich im Nu auf der Fahrt hinauf nach Kástro befand. Dieses dreiste Unterfangen sollte noch Tage später Ortsgespräch in der Taverne „Loukás“ neben dem Laden von Flora sein, wenn ich nicht gerade selbst an einem der Tische saß ( – beim Vorübergehen hört man ja so manches …). Eine Unverschämtheit, dass da einer Reißaus nahm und nicht wie die meisten anderen Schäfchen sogleich bei Ihnen Quartier genommen hatte!

Außer dieser einen Taverne hatte in Aloprónia nur noch das Ufer–Café einer netten molligen Frau geöffnet. Und natürlich Floras Lebensmittelgeschäft.
Das „Meltémi“, die erste Taverne in einem Eckhaus auf dem Weg vom Anleger her, wurde gerade umgebaut, sie öffnet wohl immer erst später im Jahr, wie man es im Reiseführer liest.

Oben am Beginn der Hauptgasse von Kástro angelangt, stieg ich aus dem Bus und fragte mich nach den „Rooms Mariétis“ durch. So heißen die zwar auch auf den Síkinos–Seiten im Web, aber bei den Dörflern ist das Haus unter einem anderen Namen bekannt (steht auch auf der hangabwärtigen Seite drauf, irgendwas mit „K…..“).
Erst eine Engländerin mit Handwerkern vor ihrem Haus mitten in Kástro oberhalb der Polizeistation konnte mir weiterhelfen. Ich zeigte den Anwesenden die Tel.–Nr., und ein Klempner rief für mich an. Nach 5 min kam eine hübsche Frau (Vorname "Valándi“, Tel. 6939565315), brachte mich ins nur 100 m entfernte Haus und begann das Bett zu überziehen (ähemmmm!)
Für 25 Euro (das sei viel zu viel für einen alleine!, äußerte sich ein Einheimischer mir gegenüber) bekam ich ein geräumiges Appartement mit Küche, alles blitzsauber und sehr angenehm zum Wohnen. Ein riesenlanger Balkon mit ausziehbarem Wäschehänger gehörte dazu. Aussicht in die Berge zu weißen Kapellchen, terrassierten Feldern und Richtung Aloprónia vom Feinsten, wieder einmal.
Die gelegentlichen Regenschauer nutzte ich dazu, mir auf einem griechischen Regierungs–Fernsehkanal wunderbare klassische Musik anzuhören, machte dabei einge wertvolle Entdeckungen.

Beide oberen Dörfer, Kástro (= Chóra) und Chorió, sind wunderschön anzusehen und auch zu durchstreifen. Über Kástro das hübsche verschlossene, nachts angestrahlte Kloster, weiter unterhalb die neue Kapelle für Odysséas Elýtis, die Katharina R. ja schon beschrieben und abgelichtet hat. Der Treppenweg zu beiden sehr idyllisch. Der Blick zurück auf die Dörfer oder die Steilküste hinunter auf Terrassen und Grün und Meer einfach grandios.

In Kástro hat es mir bei „George“ aus Athen im „Ané Meló“ gut gefallen, besonders als er mir marinierte Gavrós–Fischchen in sehr pikanter Sauce zubereitete. Auf ein abendliches Bier kam ich täglich vorbei.
Noch zugesperrt waren die beiden Tavernen in Kástro, das „I Klimatariá“ und das „To Stéki tou Gárbi“. Einmal ein zaghafter Öffnungsversuch, der aber keine Gäste brachte.
Es gibt noch mindestens drei andere Café–Kneipen im Dorf, während das nahe Chorió nichts dergleichen aufzuweisen hat, dafür sehr hübsche Gassen und Kirchen sowie ein stets funktionierendes OTE–Telefon (!).

Sehr schön und interessant für mich einigermaßen gut Griechisch Sprechenden war es auch im Café ganz vorne zwischen den beiden Dörfern, das sich früher einmal „Iliovasílema“ genannt hatte und jetzt einen anderen Namen trägt (das bunte Schild ist etwas verwirrend und schlecht leserlich). Es ist die einzige Kneipe, die schon frühmorgens geöffnet hat, nur dort kriegte ich meinen Krug Kaffee (inkl. politischer Diskussionen – ohne mich) zusammen mit Bauern und älteren Leuten.
Esel und Autos waren vor dem Gastgarten geparkt, ein winziges Kätzchen quiekte und raste die ganze Zeit herum.
Bei klarem Wetter hatte man von hier aus die Inseln von Folégandros über Mílos, Políegos, Kímolos, Sífnos, Páros bis hin zu Náxos im Visier, wenn man noch etwas um die Ecke herumging, hinter zu einer noch geschlossenen kleinen Hotelanlage.
Sehr gut ist übrigens der Roséwein, den man in diesem Kafenío auch abgefüllt bekommt. Allerdings ist er absolut nicht transportfähig – auf Kárpathos war er wegen der vielen Erschütterungen unterwegs bereits ungenießbar geworden (– armer Níkos Orfanós! Wie hast Du doch deinen Mund verzogen beim Kosten.)

Die „Winery“, das „Inopiío Manális“ Richtung Iróo (Heroon/Episkopí) hatte offenbar noch zu, wenigstens für Touristen, sagte man mir. Es waren schließlich auch kaum welche da.

Gegessen hab ich also unten am Hafen im „Loukás“, wo sich noch die meisten Leute aufhielten, sie kamen natürlich auch von den oberen Dörfern runter, um sich in diesem nicht besonders hübschen, wenig attraktiven Neubauort gegenseitig Gesellschaft zu leisten, Schiffsankünfte mitzubekommen, die paar Touris am Strand anzugucken und nicht zuletzt über die ausbleibenden Deutschen herzuziehen.

Ansonsten sind sowohl das Heroon (= Episkopí) als auch die Kirche der Panagía Sikiá (ich hätte mich beinahe in Schweiß aufgelöst, am frühen Nachmittag bei großer Hitze dorthin hochzusteigen!) steil oberhalb des Hafenortes wirklich sehr schöne Ziele.
Nach Ágios Geórgios (Strand) fuhr der Bus noch nicht, zu wenig Leute.

Mit dem wortkargen Busfahrer hab ich mich erstaunlicherweise sogar etwas angefreundet, er konnte mich irgendwie leiden. Klar, dass er zumeist seinen alten PKW als Busersatz benutzte, den großen Bus nur einsetzte, wenn mehr Leute (Fähre nach oder von Piräus, etc.) zu erwarten waren.

Ein hübscher, empfehlenswerter Weg ist der zur Dialiskári–Bucht nordöstlich von Aloprónia. Auf einem voll ausgebauten, bequemen Feldweg über einen Sattel ist der entlegene Platz in ca. 35 min von Aloprónia her erreichbar. Ein bezaubernd anzusehendes Kapellchen des Hl. Nikólaos duckt sich an den einen Hang der Schlucht. Zeit für ein erstes Bad ganz alleine.
Auch Richtung Kátergo südwestlich des Hafens bin ich hinausgewandert, bis zu einem netten Esel hinter Steinmauern, wo ein Wanderpfad begonnen hätte.

Meine schönste Wanderung war wohl die steil aus Chorió hinaus auf steinernem, zugewachsenen Pfad über die Ruinen eines Aussichtsturms zur Kapelle der Hl. Paraskeví und weiter zur nahen Kapelle des Hl. Políkarpos. Von dort weiter hinter zu einer aufgelassenen Siedlung mit nach wie vor bewirtschafteten Feldern und ein Stück den Weg weiter Richtung Ágios Mámmas. Eine abgelegene, stille Gegend zu Füßen eines hohen, langgestreckten Inselberges (Troúlos).

Aber auch der Wanderweg zurück von Episkopí hat mir gut gefallen. Von Episkopí aus hatte ich in dem Taleinschnitt nach Süd hin gerade die „Ágios Geórgios“ von Ventouris Sea Lines vorbeiziehen sehen, das weiße Schiff. Was für ein Anblick!

Noch etwas: Auf Síkinos wird das Getreide noch mühsam mit der Handsichel geschnitten. Die Ähren werden in Form eines in der Mitte zusammengeschnürten, in die Breite gedrückten „X“ auf den Boden gelegt.
Bukolische Szenen.


Copyright 2012 puchheim = MartinPUC

Geschrieben 20.06.2012, Geändert 21.06.2012, 3171 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von kokkinos vrachos vom 24.07.2022 09:07:57

"Fünf griechische Inseln – Amorgos, Kimolos, Kythira, Sikinos und Tinos – zählen zu den „Sieben am stärksten gefährdeten Kulturerbestätten Europas“ für 2021. Eine entsprechende Liste gab vor kurzem der Denkmalschutz-Verbund Europa Nostra bekannt."

www.griechenland.net/nachrichten/chronik /29064-europa-nostra-windkraftanlagen-ge f%C3%A4hrden-charakter-von-%C3%A4g%C3%A4 is-inseln

vg aus Hamburg, kv


Kommentar von kokkinos vrachos vom 26.12.2012 17:01:01

jassou Pezl, es gibt viele einsam gelegene Strände und Buchten auf Sikinos die du zu Fuß zu erreichen kannst, sind aber eher Wanderungen.

Besorge die mal die Sikinos-Karte von Terrain, e-shop.terrainmaps.gr/index_english.php. Auf der Karte kannst du dir einen guten Überblick der Strände/Buchten der Insel verschaffen. Es sind auch zehn Wanderungen beschrieben. Zwei der beschriebenen Wanderungen führen an mehreren Stränden/Buchten vorbei.

Einige Strände lassen sich nur mit dem Boot erreichen. In der Hochsaison werden zu verschiedenen Stränden Bootsausflüge angeboten.

Sikinos besitzt nur wenige Kilometer Straße, verfügt aber über viele Wanderwege durch eine einsame unbewohnte, bergige Landschaft. Deswegen ist auch Sikinos eine Wanderinsel und Ort der Ruhe.

Schöne Grüße aus Hamburg, kokkinos vrachos


Kommentar von Pezl vom 02.10.2012 17:15:12

Hallo Martin,
Gibt es auf Sikinos auch kleine Strände und Buchten, welche man zu Fuß erreichen kann?
l.G. Pezl


Kommentar von the-aegean vom 28.06.2012 09:57:10

Schade - nichts Neues von Sikinos - alles nur Wiedergekautes - lieben Gruß, the-aegean


Kommentar von Richi vom 24.06.2012 16:30:44

"das sich früher einmal „Iliovasílema“ genannt hatte und jetzt einen anderen Namen trägt (das bunte Schild ist etwas verwirrend und schlecht leserlich)."

Hallo Martin, der neue Name ist:

ηλιαχτί&d elta;α (Iliachtida = Sonnenschein)

Gruß,
Richi


Kommentar von Katerina vom 22.06.2012 09:25:13

Bilder der Elytis-Kapelle hat es hier: www.nissomanie.de/kykladen/sikinos/wiede r-sikinos/


Kommentar von martinpuc vom 21.06.2012 16:40:58

Hallo k.v. -
Zur Natur siehe Kykladen-Forum!

Gruß
MartinPUC


Kommentar von kokkinos vrachos vom 21.06.2012 11:23:47

hallo martin, "Anfangs waren maximal 12 Touristen vor Ort, die allermeisten Franzosen. Mit der Zeit wurden es immer weniger, da mehr abreisten als ankamen." - das kenne ich gut von den dodekanes-inseln im mai. mir gefällt das sehr, das ist auch ein grund dafür das ich immer im mai die griechischen inseln besuche.

scheint ja so als ob sikinos noch immer ein ort der ruhe und entspannung ist.

vielleicht kannst du noch ein wenig was über die natur auf sikinos sagen?

schönen gruß aus hamburg