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Sikinos - Wohin der Wind mich treibt - 24 Stunden der Glückseligkeit

Von Arion

Mit der Arsinoi verließ ich um 6:45 Uhr die Insel Anafi. Über Santorini, Thirassia und Folegandros lief die Fähre um 12:30 Uhr (45 Minuten später, aber das war mir bei diesem traumhaften Wetter so was von egal) in den Hafen von Alopronia ein.

Bisher hatte ich von dieser Insel nur den Hafen vom Schiff aus gesehen. In den vergangenen Jahren hat sich allerhand getan. Die Bettenkapazität hat sich stetig erhöht (6 weitere Häuser sind im Rohbau fertig), dennoch fügen sich die dazugekommenden Häuser gut in das Ortsbild ein. Dieser Hafenort hat etwas. Es geht ruhig und gemächlich zu, auch beim Anlegen der Fähre kommen weder Stress noch Hektik auf.

Am Hafen standen die Vermieter Loukas (lt. Autobeschriftung: Lucas) und Tasos. Ich schaute mir die Doppelzimmer von Lucas an, die direkt am Wasser an der anderen Seite der Bucht liegen. Das DZ/EZ sollte 25,- € kosten. Vom Balkon sieht man direkt über die Bucht zum Fähranleger. Nachteil: Der Balkon ist ein Gemeinschaftsbalkon durch eine grosse Brettertür vom Nachbarzimmer getrennt. Gezwungenermaßen läuft man über die Terrasse/Balkon seines Nachbarn, um sein Zimmer zu erreichen. Die Zimmer selbst sind geräumig, aber dunkel. Das angebotene Zimmer war noch belegt und sollte in zwei Stunden frei werden. Ich ließ mein Gepäck zunächst dort und begab mich in den Ort.

Im Gemischtwarenladen traf ich Flora an (nach eigenen Angaben immer geöffnet, wenn nicht, dann in der Taverne melden und sie ist in 10 Minuten im Laden). Wir kamen ins Gespräch und sie fuhr mit mir bergauf in Richtung Chora. 50 Meter oberhalb der einzigen Inseltankstelle vermietet sie sieben Zimmer. Sie zeigte mir Zimmer Nr: 15 für 25,- € die Nacht und es gefiel mir auf Anhieb. Von diesem Zimmer im erhöhten Erdgeschoss ist die gesamte Bucht einsehbar. Das sehr gepflegte Zimmer verfügt über ein Doppelbett, Nachttische, Frisierkommode mit Spiegel, zwei Stühle, Kühlschrank, Elektrokocher, Geschirr, Fernseher und Klimaanlage. Das Bad hat eine Duschwanne ohne Vorhang, Handtuchstangen,einen grossen Spiegel und Steckdose. Sinnvollerweise hat das Badfenster ein Fliegengitter. Im Kleiderschrank fand ich noch einen neuen Fön und ein Bügeleisen vor. Es war sehr ruhig in der Anlage, denn ich war der einzige Gast.

Ich erzählte Flora, dass ich zuvor auf Anafi war und meine Familie auf Naxos weilte. Sie sagte: „More and more Islands, you are a Nissomane... ".

Als die Arsinoi auf dem Rückweg von Ios wieder nach Sikinos kam, nutzte ich die Gunst der Stunde und stieg an der Tankstelle in den Bus, der sich auf den Chora/Chorio machte. Der Bus fährt 6 x am Tag nach Chora und Chorio und kostet 1,20 €. Der erste Bus verläßt den Port um 7 Uhr, die letzte Tour von Chora um 22:30 Uhr/vom Port um 22:45 Uhr.

In diesen letzten Spätsommertagen gab es keine Verbindung mehr zum Episkopi/Heroon. Da ich mir meinen linken Fuss am Kalamos auf Anafi verstaucht hatte, wird diese Sehenswürdigkeit bei einem späteren Inselbesuch von mir aufgesucht.

Ich stieg gegen 14 Uhr am Fuße von Chora aus, schlenderte gemächlich durch die Gassen, ließ mich treiben, wie es schon in der Chora von Anafi geschah. In den 4 Stunden der Mittagshitze ruhten die meisten Griechen, nur ab und zu kläffte ein Hund, dessen Revier ich kreuzte. Ständig neue, sich öffnende, imposante Eindrücke, die rasch die Speicherkarte meiner Kamera füllten.

Im I Klimataria traf ich den Besitzer eines Hundes „so gross wie ein Kalb“. Frappe war nicht möglich, der Mixer sei kaputt, aber Nescafe für 2,- € sei machbar. Ich willigte ein und genoß die Ruhe und Besinnlichkeit in der Tavernengasse, in der sich auch das To Steki tou Garbi befindet. Eine Gasse weiter ging es lebhafter zu: Etliche Männer des Ortes saßen vor Lukas Bar beim Tavli, andere unterhielten sich angeregt. Der einsame Tourist war für sie eine willkommende Abwechslung und wurde ausgiebig beäugt.

Unbeirrt durchstreifte ich ohne festes Ziel den Ort und erklomm alsbald Chorio. Ich begückwünschte mich zu meinem Entschluss, diese Insel mit ihren wunderschönen Orten aufgesucht zu haben. Ich setzte mich auf die Stufen unweit der Ortskirche Tinios Stavros, die geöffnet hatte, und schaute von dort oben dem Hirten mit seinen Ziegen zu.

Weiter drang ich in den Ort vor, kam an einem eindrucksvollen Haus vorbei, das die Besitzer vermieten wollten. Das kleine Museum hatte leider geschlossen, zu gern hätte ich es besichtigt. Als die Zeit der Busabfahrt nahte, begab ich mich zur Taverne I Iliovassilema (Sunset) und genoß dort bei einem Mythos den traumhaften Ausblick auf das Meer.

Ein wunderbarer Tag neigte sich dem Ende zu, den ich in der Hafentaverne To Meltemi beim Wirt Jannis, seiner Frau und Tochter ausklingen ließ. Jannis nennt 4-5 Tagesgerichte von seinem Schreibblock (einiges war schon durchgestrichen, also nicht mehr verfügbar), aus denen man sich etwas auswählt. Ich bestellte Stuffed Tomates und Greek-Salat. Nur kurze Zeit später erhielt ich einige riesige Portion, auch der dargebotene Greek-Salat überstieg bei weitem meine Möglichkeiten, alles zu verzehren. Dazu Brot, Wasser und Miso Krasi. Mit 14,- € war ich dabei und vollauf zufrieden.

Am nächsten Tag sollte die Panagia Hozoviotissa um 11:45 Uhr Alopronia in Richtung Naxos verlassen. Die ersten Stunden des anbrechenden Tages vertrödelte ich auf der Terrasse meiner Pension. 3 Stunden vor Auslaufen des Schiffes trieb es mich in den Hafen. Ich schaute im Hotel Porto Sikinos vorbei, das aber schon geschlossen hatte. Die Großanlage entsprach nicht meinem Geschmack, aber jedem das Seine.

Im To Meltemi schaute ich den Fischern beim Flicken der Netze zu und genoß das geruhsame Treiben im Zentrum des Hafenortes. Jannis erkannte mich sofort wieder und begrüsste mich herzlich. Bei einem Meze mit Tomaten, Gurken und Oliven sowie einem Frappe, zwei Megalo Ouzo mit Sprite ließ ich es mir gut gehen. Die 4,50 € für alles zusammen bezahlte ich mit Freude. In der Küche der Taverne liefen die Vorbereitungen für die Menüauswahl des heutigen Tages an.

Was mag es wohl heute Abend geben? Egal. Die lebhafte Chora von Naxos erwartete mich für die verbleibenden 7 Tage. Aber: Ich komme wieder, Sikinos, wenn der Wind mich in deine Nähe treibt.

Geschrieben 21.10.2007, Geändert 22.10.2007, 5034 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von Pan vom 12.08.2012 22:19:38

Schöner Artikel, das "Kalb", also den Hund gibt es noch, ich habe ihn mit seinem Besitzer im Juni 2012 kennen gelernt, er heißt Ivan, nach Angaben seines Besitzers ein kaukasischer Hirtenhund.


Kommentar von deBadener vom 09.05.2012 20:42:35

Toll geschrieben und das Gefühl kommt voll rüber! Sikinos - dieses Jahr werde ich die Insel besuchen - ich freue mich darauf!